Ich bin viel unterwegs und verliere meine Routinen

Jessica Bülow, lächelnd im Park

Von Jessica Bülow
Fitnesstrainerin A-Lizenz · Wirbelsäulengymnastik Trainerin
Veröffentlicht · 4 Min. Lesezeit

Zuhause funktioniert es eigentlich ganz gut. Du hast deine Trainingstage, dein Fitnessstudio, weißt ungefähr, wann du trainierst und welche Mahlzeiten für dich funktionieren. Und dann bist du unterwegs.

Dienstreise, Urlaub, ein Wochenende bei Freunden oder einfach ein Alltag, bei dem du regelmäßig den Ort wechselst. Plötzlich gibt es dein gewohntes Gym nicht mehr, deine Tage sehen anders aus und aus „Dienstag ist Training“ wird ziemlich schnell „Diese Woche wird das sowieso nichts.“

Das kenne ich selbst ziemlich gut. Das Problem ist häufig gar nicht die fehlende Motivation. Viele unserer Routinen sind einfach stärker an unsere gewohnte Umgebung gebunden, als uns bewusst ist. Zuhause musst du kaum darüber nachdenken. Unterwegs stellen sich plötzlich zehn neue Fragen: Wo kann ich trainieren? Wann habe ich Zeit? Gibt es ein Gym? Habe ich Equipment? Und möchte ich im Urlaub oder nach einem langen Business Meeting wirklich noch eine Stunde trainieren?

Die Lösung ist deshalb nicht unbedingt, deine Routine von zuhause mit aller Macht genauso weiterzuführen. Viel sinnvoller ist es, dir für unterwegs eine eigene Version deiner Routine zu bauen.

Mach dir schon vorher einen kleinen Plan

Wenn du weißt, dass du unterwegs sein wirst, schau dir vorher an, welche Möglichkeiten es vor Ort gibt. Gibt es ein Fitnessstudio in der Nähe deines Hotels oder vielleicht sogar eines direkt im Hotel? Kannst du dort ein Tagesticket buchen? Gibt es einen Kurs oder eine Sportart, die du schon immer einmal ausprobieren wolltest?

Vielleicht gibt es ein Schwimmbad in der Nähe und du gehst nach einem stressigen Business Meeting für 30 Minuten schwimmen. Vielleicht kannst du eine neue Stadt morgens beim Laufen erkunden. Oder du findest einen Kurs, den du zuhause niemals ausprobiert hättest.

Training unterwegs muss nicht genauso aussehen wie dein Training zuhause. Vielleicht ist genau das sogar die Chance, etwas Neues auszuprobieren.

Und wenn es vor Ort nichts Passendes gibt, bleibt immer noch dein Hotelzimmer. Ein kurzes Ganzkörpertraining braucht nicht zwangsläufig ein komplett ausgestattetes Gym. Mit dem eigenen Körpergewicht, einem kleinen Widerstandsband oder guten Workout Videos kannst du auch auf wenigen Quadratmetern etwas machen.

Sei ehrlich mit deiner Zeit

Überlege dir möglichst vorher, wann Training wirklich realistisch ist. Wenn du weißt, dass deine Abende auf einer Dienstreise fast immer mit gemeinsamen Essen oder After Work Terminen gefüllt sind, bringt es wenig, jeden Abend um 18 Uhr Training einzuplanen.

Vielleicht funktionieren morgens 20 Minuten besser. Vielleicht hast du an zwei Tagen eine längere Mittagspause. Und vielleicht ist es auch vertretbar, an einem Abend einmal nicht mit zum After Work zu gehen und stattdessen etwas für dich zu machen.

Du musst nicht jeden Termin absagen, damit du deine Fitnessziele erreichst. Aber du darfst durchaus ab und zu entscheiden: Heute hat meine eigene Zeit Priorität. Und wenn das gerade überhaupt nicht möglich ist, dann darf dein Plan eben kleiner werden.

Nicht jedes Training muss 60 Minuten dauern

Wenn du zuhause viermal pro Woche eine Stunde trainierst, heißt das nicht, dass du unterwegs genau das Gleiche schaffen musst. Vielleicht werden daraus zwei Einheiten à 30 Minuten. Vielleicht machst du morgens 15 Minuten Mobility und gehst später zu Fuß zum nächsten Termin. Oder du nutzt die Treppe, gehst nach dem Abendessen noch eine Runde spazieren oder steigst eine Station früher aus.

Das klingt im Vergleich zu einem vollständigen Workout vielleicht unspektakulär. Aber gerade in Wochen, in denen dein Alltag ohnehin voll ist, kann mehr Bewegung statt perfektem Training die realistischere Lösung sein. Und wenn du im Urlaub sowieso den ganzen Tag wanderst, schwimmst oder eine neue Stadt zu Fuß erkundest, musst du auch nicht noch zwanghaft eine Cardioeinheit dazwischenquetschen.

Und was ist mit dem Essen?

Auch beim Essen entsteht unterwegs schnell dieses Alles oder nichts Denken. Restaurantbesuche, Frühstücksbuffet, Snacks zwischendurch und Geschäftsessen machen die eigene Ernährung plötzlich weniger planbar.

Aber auch hier musst du nicht zwischen „perfekt essen“ und „ist jetzt sowieso egal“ wählen. Versuche, deine Mahlzeiten grundsätzlich nahrhaft und proteinreich zusammenzustellen. Schau, dass du eine gute Proteinquelle dabei hast, ergänze Gemüse, Obst oder andere nährstoffreiche Lebensmittel und iss ausreichend, damit du dich leistungsfähig fühlst.

Natürlich darf im Urlaub ein Dessert dazugehören oder beim Geschäftsessen etwas bestellt werden, auf das du einfach Lust hast. Gleichzeitig musst du auch nicht jedes Croissant am Frühstücksbuffet essen, nur weil es da liegt. Balance bedeutet nicht, sich alles zu erlauben. Aber eben auch nicht, sich alles zu verbieten.

Deine Routine ist nicht weg

Wenn du zuhause viermal trainierst und unterwegs zweimal, hast du nicht versagt. Wenn aus deinem Krafttraining einmal Schwimmen, Wandern oder ein 25 Minuten Hotel Workout wird, hast du deine Routine nicht verloren. Du hast sie angepasst.

Überlege dir deshalb vor deiner nächsten Reise drei Dinge: Wo kann ich mich bewegen? Wann habe ich realistisch Zeit dafür? Und was ist meine Alternative, wenn mein eigentlicher Plan nicht funktioniert?

So wird aus „Unterwegs verliere ich immer meine Routine“ irgendwann etwas ganz anderes: Ich habe eine Routine, die mit mir mitreisen kann.

Keine Ahnung, was du im Hotel trainieren sollst?

Kurze Einheiten für wenig Platz und wenig oder gar kein Equipment findest du im Ratgeber unter „Workouts & Trainings“. Laptop auf, ein bisschen Platz schaffen und los.

PASSENDE LEISTUNG

Online Personal Training →

AUSPROBIEREN

Kostenloses Probetraining →